Aus der LKZ:
Bernhard Schuler: Am 4. Januar erfolgt der erste Spatenstich zum Ausbau
der Autobahn A 8 und den Bau des Westanschlusses. Damit werden wir durch
Autobahn und Engelberg-Tunnel eine leistungsfähige Umfahrung der Stadt
haben. Der Restverkehr ist weitgehend selbst erzeugt und spielt fast nur
zu Berufsverkehrszeiten eine Rolle. Wir haben in Leonberg täglich fast
10 000 Menschen, die hierher zum Arbeiten kommen und ebenso fast 12 000
Leonberger, die von hier in einen andern Ort zur Arbeit fahren. Möglicherweise
hilft der Bau der S 60, dass ein größerer Teil der Pendlerströme künftig
den Öffentlichen Personennahverkehr nutzt. Hinsichtlich der
Luftverschmutzung ist es zum Glück so, dass wir beispielsweise den
Grenzwert bei der Feinstaubbelastung mit ziemlicher Sicherheit nicht überschreiten
werden. Während in andern Städten an über hundert Tagen dieser überschritten
wurde, wurden bei uns einschließlich 6. Dezember 2005 lediglich 16 Überschreitungen
(bei 35 erlaubten) des Tagesmittelwertes in der Grabenstraße, der höchst
belasteten Stelle der Stadt, gemessen. Im übrigen werden wir uns weiter
dafür einsetzen, dass die Belastungen dort bekämpft werden, wo es am
wirkungsvollsten ist - an der Quelle.
von Renate Wohlbold am 19 Jan. 2006 13:40
Leider hatte ich am Dienstag keine Möglichkeit mehr, meine Frage an
Prof. Kölz zu stellen. Er ist soviel ich weiß Verkehrsplaner und nicht
nur Straßenplaner. Ich hätte gern gewußt ob ein Verkehrsplaner für
Leonberg auch andere zukunftsfähige Lösungsvorschläge anbieten könnte.
Leonberg ist eine relativ kleinflächige Stadt die durch zwei Autobahnen
ähnlich stark belastet ist wie es sonst nur Großstädte sind. Daran
kann man nichts ändern.
Großstädte reagieren zur Zeit auf diese Problematik indem sie
versuchen die Verkehrsmengen z. B. durch Städtemaut zu reduzieren.
Leonberg ist dafür zu klein, müsste aber trotzdem eher versuchen
Verkehrsmengen zu reduzieren als sie zu erhöhen was durch den Bau einer
neuen Straße durch die Stadt unweigerlich der Fall wäre.
Das vorhandene Straßennetz, und da werden mir sicher viele zustimmen
wird in Leonberg nicht intelligent genutzt. Andere Städte haben grüne
Welle, in Leonberg steht jeder Autofahrer beinahe an jeder Ampel und es
gibt viele davon. Leider hat es in Leonberg keiner geschafft, einen
ordentlichen Verkehrsfluss zu gewährleisten was an der mangelnden
Qualifikation oder abweichenden Interessenlage bisheriger Berater liegen
mag.
So hätte ich gerne von Herrn Prof. Kölz gewusst, ob er unter anderen
Voraussetzungen (kommunalpolitische Vorgaben) mit intelligenter Nutzung
des bisherigen Wegenetzes und zusätzlichen Verbesserungen im ÖPNV und
beim Rad- und Fußwegenetz auch eine gute Lösung für Leonberg gefunden
hätte.
von Ewald Thoma am 19 Jan. 2006 22:22
in der Tat - Prof. Kölz hat die vorgegebenen Ziele erfüllt und damit
als Gutachter unter den vorgegeben Randbedingungengute gute Arbeit
geleistet. (Wenn man von den von mir kritisierten Verkehrszahlen am
Ortsausgang nach Ditzingen mal absieht das ist nach wie vor erklärungsbedürftig).
Er hat z.B. als erster der vielen für Leonberg tätig gewesenen
Verkehrsplaner klar und deutlich die (missliche) Lage Leonbergs im
regionalen Straßennetz dargestellt mit der Bedrohung, dass jedes zusätzliche
Straßenangebot in oder um Leonberg außerörtlichen Verkehr anzieht.
Wenn man sich in Erinnerung ruft, wie diese Wirkung noch vor 5 Jahren
anläßlich der Diskussionen um die Nordwesttangente von der
Stadtverwaltung heftigst bestritten wurde, ist diese Einsicht immerhin
ein deutlicher Fortschritt.
Das Problem waren aber die einseitigen Ziele, welche ihm vorgegeben
wurden. Dazu hier nochmals die Zielvorgaben der Stadt (Zitat Drucksache
P34):
- verkehrliche Entlastung der Innenstadt, insbesondere der Altstadt und
der Zwischenstadt
- Reduzierung der Umweltbelastung in stark vorbelastetetn Räumen (z.B.
Grabenstrasse)
- Erhöhung der Aufenthaltsqualität in den Straßenrandbereichen (z.B.
Eltinger Straße, Neuköllner Platz )
- stadtverträgliche Organisation des Verkehrs aus städtebaulicher
Sicht
Aus dieser Formulierung geht klar hervor worum es der Stadtverwaltung
einzig und alleine ging: um Vorschläge zur Verkehrsentlastung des Straßenzugs
Grabenstraße, Eltinger Str., Neuköllner-Platz. Auf die Gesamtstadt
bezogene Ziele wie Entlastung der GESAMTstadt (insbesondere von
Wohngebieten), ‘gerechte Verteilung der Verkehrslasten, ‘Beachtung
der existierenden Vorbelastung in allen Stadtteilen‘, ‘Entwicklung
von Flächennutzungs-Konzepten zur Vermeidung von Individualverkehr im
gesamten Stadtgebiet, ‘Optimierung des Verkehrsflusses‘ usw. sind
nicht aufgeführt und waren daher auch nicht Gegenstand der
Untersuchungen bzw. hatten keine Priorität. Es hat auch offensichtlich
das Geld für eine wirkliche qualifizierte eigene Betrachtung gefehlt,
d.h. bisherige (möglicherweise zweifelhafte) Ergebnisse mussten übernommen
werden. Daher ist es nicht verwunderlich dass als Ergebnis der westliche
Altstadttunnel herauskam. Daher wäre es tatsächlich interessant zu
wissen, was Prof. Kölz bei einer anderen Zielsetzung als Ergebnis
herausbekommen hätte. Leider werden wir dies wohl nie erfahren können,
da er sich auf das Spiel der Stadt eingelassen, sich daher zu weit
hinausgelehnt hat und damit ‘verbrannt‘ ist. Schade eigentlich.
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